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Forthcoming: Negationswandel im Mittelhochdeutschen und weiteren westgermanischen Sprachen: Eine phonologisch-prosodische Perspektive
Synopsis
Die vorliegende Arbeit widmet sich dem Negationswandel im Deutschen, einem Klassiker der historischen Syntaxforschung seit Behaghel (1918). Hierbei wird auf Grundlage von Jespersen (1917) auch eine Reihe weiterer westgermanischer Sprachen im Blick behalten. In diesem Buch wird ein phonologischer Ansatz (weiter-)entwickelt, nach dem der Wandel der mittelhochdeutschen Negation als Epiphänomen der Nebensilbenabschwächung und der darauf folgenden Schwa-Tilgung zu verstehen ist, womit bislang erhobene Daten einsichtiger beschrieben und erklärt werden können als aus einer rein syntaktisch-theoretischen Perspektive.
Im ersten Teil (Forschungsgegenstand & Datengrundlage) wird zuerst die Geschichte der mittelhochdeutschen Negation einschließlich ihrer Interaktion mit Indefinita dargestellt. Die Aufarbeitung erfolgt dabei unter regelmäßiger Berücksichtigung von Daten zum historischen Niederdeutschen, Englischen und Niederländischen sowie unter gezieltem Einbezug der Stärken und Schwächen einiger jüngerer syntaxtheoretischer Arbeiten (z.B. Jäger 2008 und Breitbarth 2014). Darauf folgt eine ausführliche Vorstellung und Diskussion der Datengrundlage, welche aus etwas über 1000 erhobenen Belegen aus knapp 200 Urkunden des Corpus altdeutscher Originalurkunden (Wilhelm et al. 1932–2004) besteht. Ferner werden Grundannahmen darüber rekapituliert, wie (historische) Schriftsysteme westgermanischer Sprachen lautliche Strukturen repräsentieren und wie insbesondere schwache Funktionswörter nach der Theorie der Prosodischen Phonologie (nach Selkirk 1981a und 1981b sowie Nespor & Vogel 1986 und 2007) analysiert werden können. Dabei wird zunächst die Grundannahme etabliert, dass die unbetonte Negationspartikel mhd. ne/n/en stets Bestandteil prosodischer Wörter ist. Im zweiten Teil der Arbeit (Datendiskussion und -interpretation) werden die erhobenen Daten nach graphematischen, regionalen und verbalsyntaktischen Gesichtspunkten ausgewertet. Daraus und unter Berücksichtigung universeller Silbenbau-Präferenzen (z.B. Vennemann 1988) ergeben sich zahlreiche Evidenzen für die Annahme einer regulär links- adjazenten Prosodifizierung der Partikel (klassisch: Enklise) spätestens seit der Durchführung der Nebensilbenabschwächung.
Der dritte und letzte Teil verfeinert die Theoretische Analyse, indem zum einen weitere zentrale Grundannahmen der Theorie der Prosodischen Phonologie diskutiert werden und zum anderen offene Schwächen der im zweiten Teil gewählten Analyse. Es wird argumentiert, dass sich die erhobenen Daten noch eleganter erklären lassen, indem man nicht das prosodische Wort, sondern den polysyllabischen, linksköpfigen Fuß (Daktylus und Trochäus) ins Zentrum der Analyse rückt, der als Domäne einer sonoritätssensitiven Regel der Schwa-Tilgung postuliert wird.
